Philipp Markhardt, Beisitzer

 

„Mongo, schreibst Du als nächster Dein Resümee? Bis Donnerstag wäre gut. Danke.“

 

Jo, mache ich. Jetzt, wo ich die Zeit dazu finde, ist es Mittwoch, 23.02 Uhr. Vielleicht nicht die beste Zeit nach einem 10-Stunden-Tag mit Kinderdienst, Buch schreiben und noch zwei Bier auf dem Balkon. Oder eben doch. Müsst Ihr entscheiden.

 

Am 25.Mai 2014 saßen wir ziemlich angesäuert in der Pandora, weil wir gerade einen langen Kampf vernichtend verloren hatten. Einen Kampf gegen Altvordere, Postensammler, Profilneurotiker und eine PR-Agentur.

 

Doch jedem Tierchen sein Pläsierchen, nichts für ungut.

 

Wir saßen also im allseits bekannten und beliebten Nebenraum der Panne und taten das, was man als Mann nach dem unglücklichen Ende einer Beziehung so tut: saufen. Keine Ahnung, ob Frauen das auch so machen, Tamara hat jedenfalls gut mitgehalten.

 

Am Ende waren wir sternhagelvoll und auf die Frage, was wir denn jetzt mit unserer wiedererlangten Freizeit so anstellen, waren wir uns schnell einig: einen eigenen Verein. Man soll ja am Morgen danach auch mit dem letzten Getränk anfangen, mit dem man aufgehört hat.

 

Die Geschichte sollte dann ja auch hinlänglich bekannt sein, denn sie wurde regional, national und international – zuletzt im Ballesterer – erzählt. Vielleicht mag das einigen Leuten jetzt etwas zu kurz erscheinen, aber ich denke, dass wir zwischen dem 25. Mai 2014 und heute recht präsent waren in den Medien. Mit Sicherheit nicht immer so, wie wir uns das vorgestellt hatten oder wie ich persönlich mir das vorgestellt hatte. Aber Fair play! Medienunternehmen haben auch ihre eigene Agenda. Auch wenn für uns zum Beispiel ein Falke-Jugendtag immens wichtig ist, so muss das nicht zwangsläufig auch auf die Hamburger Zeitungen zutreffen. Und auch wenn Falke international in den Fanszenen einen gewissen Bekanntheitsgrad hat, so ist das bei Eimsbüttels Gummistiefel-Derbe-Regenmantel-Muttis vielleicht nicht so das Thema. Schade, aber so bleibt weiterhin Luft nach oben. Ich werde mich dem gern auch nach dem 25. November widmen. Auch wenn ich dann nicht mehr im Präsidium sein werde.

 

Die Hintergründe sollten ja auch dem einen oder anderen Mitglied bekannt sein, trotzdem gern noch mal an dieser Stelle: Familie und Beruf spannen mich seit geraumer Zeit extrem ein. Wenn ich in den letzten auf Donnerstagabenden nach Niendorf rausgefahren bin, um die zweiwöchentlichen Präsidiumssitzungen zu besuchen, dann war es, wie man so sagt „Pain in the Ass“. Das hatte weniger mit den Sitzungen selbst oder gar den Kollegen im Präsidium zu tun als vielmehr mit dem 14-Stunden-Tag, den ich vorher schon hatte. Und es hatte auch mit einigen Entwicklungen in der Mitgliedschaft zu tun.

 

Doch zurück zum Anfang: Falke wurde gegründet und die Gründer waren hochmotiviert. Zumeist wöchentlich gab es Treffen, es folgten die Mitgliederversammlung, das Vorbereitungsjahr und die letzten Wochen vor dem Auftakt in die erste Saison. Viele fleißige Hände und rauchende Köpfe halfen mit und sorgten dafür, dass wir einen Traumstart hinlegen können. Die erste Spielzeit war dann auch kaum von Sorgen geprägt und die Meisterschaft früh unter Dach und Fach. Einzig die Spielabsage gegen Nienstedten und dass damit unsere erste Meisterschaft, die ausgerechnet am grünen Tisch zustande kommen sollte, war wirklich ärgerlich.

 

Obwohl… da war noch was: Wir erinnern uns: im September 2015 wollte das rechte Hooligan-Bündnis HoGeSa in Hamburg zur Demo aufmarschieren. Diverse Falke-Fanclubs fanden das ebensowenig lustig, wie verschiedene Bündnisse und machten dies auf Spruchbändern deutlich. Dies hatte tatsächlich zur Folge, dass es erste Vereinsaustritte gab, von Leuten, die fortan nicht müde wurden, den HFC mit St. Pauli gleichzusetzen. Wenn nicht noch weiter am linken Rand. Lächerlich in meinen Augen, insbesondere wenn man bedenkt, dass es sich um Fanaktionen handelte. Aber wie schrieb ich andernorts in diesem Text? Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

 

Die zweite Saison brach an und es wurde schwieriger. Wenngleich wir am Ende doch als Erster aufstiegen und ich persönlich unseren Auswärts- und Aufstiegssieg in Altona zu meinen Top-Erlebnissen im Fußball zähle.

 

Es wurde jedoch nicht nur sportlich schwieriger, denn es kam abseits des Platzes zu Meinungsverschiedenheiten, die ich noch heute als teilweise unnötig empfinde und die mir teilweise heute noch gehörig auf den Wecker gehen. Als da wären: Der Umgang mit den Braun-Weißen vom Millerntor als auch die Diskussion um die Aufwandsentschädigung für die erste Mannschaft im Falle eines Aufstieges in die Bezirksliga.

 

Zum ersten Thema ist meine Einstellung klar: ich mag die Zecken nicht. Die Fanszene lügt sich im Allgemeinen selbst in die Tasche und hält sich für etwas Besseres, obwohl sie doch am Ende ziemlich ordinär ist. Das ändert allerdings nichts daran, dass wir im Sommer 2014 einen neuen Verein gegründet haben. Mit blau-weiß-schwarzen Wurzeln, das ist richtig – aber wir haben bei Null angefangen. In allen Bereichen. Und nicht nur da, wo wir es aufgrund unserer jeweiligen persönlichen Einstellung für wichtig erachtet hätten. Dass uns dann im April 2017 die Zecken gezeigt haben, dass wir für sie halt immer noch alle HSVer sind, selbst wenn einige es nie waren – geschenkt! Für mich markiert dieser Tag den tatsächlichen Beginn eines schlechten Verhältnisses zu teilen derer Fanszene. Und seid Euch sicher – ich hätte auch ganz gut ohne gekonnt.

 

Das Thema Aufwandsentschädigung war dann eines, das tatsächlich für etwas mehr Zündstoff gesorgt hat und ich fühle mich genötigt, hierzu noch ein paar Anmerkungen zu machen. Ganz einfach, weil es mich echt Nerven gekostet hat und ich teilweise dachte, ich müsse den Glauben in Teile der Mitgliedschaft verlieren. Und das geht mir noch heute so, im Vorwege der MV. Denn, sorry to say that, ich habe eine ganze Menge Widersprüchlichkeiten festgestellt.

 

Zum Beispiel die Behauptung, das Präsidium hätte nur durch Druck des Mitglieder überhaupt mit ihnen darüber diskutiert: das Thema wurde erstmals in der Winterpause 16/17 angeschnitten – zwischen sportlicher Leitung, Präsidium und Teilen der Mannschaft. Es wurde dann Anfang des Jahres erstmals in die Mitgliedschaft getragen. Es gab an diesem Tag eine Abstimmung, die pro Aufwandsentschädigung verlief, allerdings keinerlei weitere Berücksichtigung fand, da es einen weiteren Termin geben sollte, auf dem weiter diskutiert werden sollte. Den gab es und es gab sogar noch einen dritten Termin – angeregt von einem Mitglied, auf dem wir als Präsidium uns ein Stimmungsbild einholen wollten, um am Ende danach einen Beschluss herbeizuführen. Mehr als zwei Drittel der damals Anwesenden sprachen sich für eine Aufwandsentschädigung aus. Das ist klar, das wurde dann so umgesetzt. Doch ich möchte noch ein paar abschließende, persönliche Worte hierzu verlieren.

 

Zum Einen: dieser ganze Eiertanz hat dem Präsidium fast die gesamte Rückrunde 16/17 über die Hände gebunden. Das Gleiche gilt für die sportliche Leitung, die in Verhandlungen mit neuen Spielern lange Zeit keinerlei definitive Aussagen machen konnte.

Zum Anderen: Ich war bannig erstaunt, das darf ich festhalten. Darüber, wie von Teilen der Mitgliedschaft versucht wurde, eine Entscheidung zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern.

 

Ich nehme es niemandem übel, wenn er nicht weiß, wie ein Präsidium in einem Amateurverein arbeitet, aber das war -ob wissentlich oder unwissentlich – eine ganze Menge Steine, die uns in den Weg gelegt wurden.

 

Die Höhe, und das empfinde ich noch heute so, war es in meinen Augen, eine Mitgliederversammlung vom Präsidium zu fordern, die nicht nur eine weitere Verzögerung der Entscheidung und damit Handlungsfähigkeit der sportlichen Leitung um Wochen bedeutet hätte, sondern auch noch nicht gerade geringfügige Kosten für die Anmietung einer Location. Und zwar, um der „Wichtigkeit des Themas“ gerecht zu werden.

 

Mit Verlaub, es ging um eine Entscheidung, die zum Einen dringend war, die aber zum Anderen trotzdem auf drei verschiedenen Terminen besprochen wurde. Inklusive des Versprechens der handelnden Personen, sich an das Votum der Mitgliedschaft zu halten. Es ist daher umso unverständlicher, wenn sich Mitglieder darüber echauffieren, dass der Rahmen der Veranstaltung der Bedeutung der Tragweite der Entscheidung nicht gerecht wird – insbesondere dann, wenn diese es zum Teil erst am letzten Termin für nötig halten, sich überhaupt in die Diskussion einzuschalten.

 

Tatsächlich habe ich mich so manches Mal gewundert, denn die meisten von uns kommen aus dem gleichen Verein und haben dort Seite an Seite gekämpft. Daher fand ich es umso bemerkenswerter, dass offenbar nur ein sehr geringes Vertrauen in die Motive, Ideale und Fähigkeiten des Präsidiums vorhanden waren oder sind. Und manches Mal habe ich darüber auch zuhause den Kopf geschüttelt.

 

Aber ich möchte am Ende nicht verbittert darüber klingen – ich habe vor meinem Amt im Präsidium dieses Vereins auch noch nie ein offizielles Amt im Amateurfußbal bekleidet, mir nie Gedanken darum gemacht, um welchen Mist man sich kümmern muss und welche Fallstricke es gibt.

Ich hatte keine Ahnung, wie viel Zeitaufwand es bedeutet, wie viel man kurzfristig entscheiden muss und welche Prioritäten man setzen muss.

 

Und ich kann wirklich jedem empfehlen, sich das selbst einmal zu geben. Man lernt fürs Leben. Und man erkennt recht schnell, das Saufen am Spielfeldrand ne super Sache ist, dazu ein bisschen Gepöbel gut für den Blutdruck. Aber eben auch, dass das alles eben nur funktioniert, wenn man Entscheidungen trifft – so schnell und gewissenhaft wie möglich – die einen verhältnismäßig erfolgreichen Spielbetrieb und Wachstum in der sportlichen Abteilung ermöglichen.

 

Denn ein Team in der Kreisliga und eines in der Kreisklasse, das reicht dafür eben meines Erachtens nicht aus. Ein verein muss wachsen, eine Jugendabteilung gründen, neue Mitglieder bekommen, die vorher vielleicht eben nicht beim HSV gegen den Modernen Fußball opponiert haben. Und am Ende sind wir der Hamburger Fußballclub Falke e.V. und nicht der Hamburger Fanszeneclub Falke e.V.

 

Ohne Fußball, vernünftigen Fußball, gibt es auch keine Fan- und Mitgliederkultur. So einfach ist das. Und ich darf vom bisherigen Präsidium behaupten, dass es sich manche Entscheidung nicht einfach gemacht und euch so oft wie möglich ins Boot geholt hat. Genauso wie ich davon überzeugt bin, dass das auch zukünftig passieren wird.

 

Ich bin ab dem 26. November einfaches stimmberechtigtes Mitglied. Ich werde am 25. November ein neues Präsidium wählen. Und ich werde es machen lassen, weil ich weiß, dass sie es nach bestem Wissen und Gewissen tun. Ich will und kann gar nicht all die Entscheidungen treffen, über die das künftige Präsidium zu befinden hat, da ich mir so viele Infos gar nicht vollumfänglich holen kann, ohne alle zwei Wochen als Mitglied des Präsidiums an dessen Sitzungen teilzunehmen. Und ich weiß mittlerweile, dass es das Dümmste wäre, was ich machen kann. Nebenbei habe ich allerings auch das Vertrauen in diejenigen, die sich zur Wahl stellen, dass die sich schon melden werden, wenn ihnen eine Entscheidung zu heikel erscheint. Ganz einfach, weil das auch bisher so war. Und wenn sie es nicht tun, wähle ich in drei Jahren jemand anderes.

 

Danke Euch! Es war mir eine Ehre! Wenn auch manchmal eine schwierige.

 

Partner des HFC Falke e.V.: